AUSLEITUNGSVERFAHREN / WÄRMEBEHANDLUNG

Ausleitungsverfahren kannte man in vergangenen Zeiten nicht nur in der Chinesischen Medizin, sondern auch in anderen Kulturen. Bereits Hippokrates (500 – 400 v. Chr.) beschrieb den Aderlass als eine der häufigsten Heilmethoden, um Gifte aus dem Körper zu treiben. Eine andere Methode, die Schröpfkunst mit Gläsern, ist auch bei uns bis Mitte des 19. Jahrhunderts praktiziert worden.

Die Verbindung zwischen den inneren Organen und der Körperoberfläche haben fast alle Völker seit jeher entdeckt und therapeutisch verwertet. Damals wusste man noch nicht, warum es half, eine Körperstelle zu massieren und mit Kälte- oder Wärmeanwendungen oder durch das Schröpfen bestimmter Körperpartien Linderung von Beschwerden oder gar Heilung zu bewirken.

Heute ist eine Verbindung zwischen inneren Organen und der Körperoberfläche wissenschaftlich erwiesen (Head’sche Zonen). Die Hautoberfläche kann in gewisse Segmente unterteilt werden, entsprechend der Austrittshöhe der einzelnen Spinalwurzeln aus dem Rückenmark. Jedes Hautsegment hat zugleich auch nervliche Verbindungen mit bestimmten inneren Organen in Brust-, Bauch- und Beckenraum.

Durch die lokale Anwendung von Schröpfköpfen, durch die so genannte Umstimmungstherapie, entstehen Hämatome (Blutergüsse), die einen starken Reiz auf den Körper bewirken. Dieser Reiz aktiviert die örtlichen und allgemeinen körpereigenen Heilkräfte und hat dadurch einen entzündungshemmenden Effekt, so dass bei allen auf Entzündung beruhenden Krankheiten (z.B. bei Lungenentzündung oder entzündeten Gelenken) eine raschere Heilung stattfinden kann.

Die durchblutungsfördernde Wirkung des Schröpfens hat die Erweiterung der Blutgefässe zum Ziel. Durch verstärkte Durchblutung an den Schröpfstellen wird der Stoffwechsel angeregt und es können schneller Giftstoffe ausgeschieden werden, die im Gewebe abgelagert sind und Schmerzen und Krämpfe verursachen. Deshalb gilt das Schröpfen als ein „Ausleitungsverfahren“.

Die anfangs erwähnte Segmenttherapie erfolgt über die Headschen Zonen, über die Verbindungen zwischen Haut und Organen. Dabei werden neurovegetative Funktionsstörungen und Organerkrankungen über das Nervensystem heilend beeinflusst.

Nach dem Schröpfen – wie immer bei der Anwendung von Ausleitungsverfahren – soll zur verbesserten Ausscheidung freigesetzter Giftstoffe für zwei bis drei Tage etwa eineinhalb Liter mehr stilles Wasser getrunken werden als gewohnt!

Gua Sha ist eine aus dem asiatischen Raum stammende Methode, die erst seit jüngerer Zeit in Europa bekannt ist. Die Schabtechnik ist besonders wirksam bei Schmerzen und Verspannungen im Schulterbereich, bei Nackensteifigkeit, Ischialgien mit ausstrahlenden Schmerzen ins Bein, bei Tennisellbogen oder anderen entzündlichen Geschehen.

In der Chinesischen Medizin wird davon ausgegangen, dass Energie und Blut im Körper gleich schnell fliessen. Wenn dies nicht der Fall ist, entstehen Schmerzen. Ein gutes Beispiel dafür ist der „Kuhnagel“. Die Hände können im Winter so kalt sein, dass die Finger blau und vollständig taub werden. In der Chinesischen Medizin nennt man das eine „Blutstase“ aufgrund von Kälte, das heisst, dass weder Blut noch Energie sich aufgrund von Kälte bewegen. Wenn das Blut langsam wieder etwas wärmer wird, entsteht ein scharfer und stechender Schmerz. Das ist eine „Blutstagnation“. Im Unterschied zur Blutstase fliesst das Blut zwar wieder, aber es ist noch kühl und zähflüssig. Die Energie möchte schneller fliessen als das Blut folgen kann. Die Blutgefässe sind gefüllt mit gestautem Blut. Erst wenn das Blut in den Händen aufgewärmt ist, fliesst es wieder gleich schnell wie die Energie und die Schmerzen verschwinden.

Blutstagnationen kann es auch aus anderen Gründen geben wie im genannten Beispiel. Die Diagnoseverfahren der Chinesischen Medizin ermöglichen es, die jeweilige Ursache dafür zu finden.

Bei der Anwendung von Gua Sha wird die Haut des betroffenen Körperareals mit einem zähen Öl eingerieben und mit einem Reislöffel – oder einem anderen Gegenstand mit nicht scharfer Kante – mit relativ starkem Druck geschabt. Dabei tritt das überschüssige Blut aus den Zellwänden der gestauten Kapillaren in das umliegende Gewebe, was die Rötung verursacht.

Die Entlastung der überfüllten Kapillaren ermöglicht es der Energie, wieder ungehindert zu fliessen. Schmerzen werden auf diese Weise gelindert und Giftstoffe für die Ausscheidung mobilisiert. Die Durchblutung wird gefördert und mit dem frischen Blut gelangt mehr Sauerstoff zur betroffenen Körperstelle, was die Heilung fördert und die Entspannung der Muskulatur ermöglicht.

Moxibustion (Moxa) ist eines der ältesten Verfahren in der chinesischen Medizin. Es wurden Darstellungen auf alten Bronzegefässen gefunden, die man bereits der Yin-Dynastie (15.-11. Jh. v. Chr.) zuordnet.

Bei der Anwendung von Moxa wird das Kraut der Artemisia vulgaris – bei uns als Beifuss bekannt – angezündet und mit der erzeugten Hitze werden bestimmte Akupunkturpunkte oder ganze Körperareale gewärmt. Dazu gibt es verschiedene Techniken. Für die Wärmung von Akupunkturpunkten werden kleine Moxakegel auf den Griff der Akupunkturnadel gesteckt und angezündet oder es wird eine brennende Moxazigarre verwendet, die nah an der Körperoberfläche über den zu behandelnden Akupunkturpunkt gehalten wird. Bei der Behandlung grösserer Körperareale  wird eine mit Moxawolle gefüllte Moxabox auf den Lendenbereich am Rücken oder auf den Unterbauch gestellt. Wegen der grossen Rauchentwicklung wird heutzutage das brennende Moxakraut oft durch eine TDT-Lampe ersetzt, die die Tiefenwärmung des brennenden Moxakrautes nachahmt.

Durch die Anregung der Produktion von roten Blutkörperchen und durch Verbesserung der Fliesseigenschaft des Blutes wird durch dieses Verfahren eine bessere Gewebsdurchblutung bewirkt. Moxa aktiviert den Stoffwechsel im Gewebe und regt über Reflexfelder an bestimmten Hautarealen oder Akupunkturpunkten die Organfunktionen an und stärkt dadurch das Immunsystem. Moxa wirkt auch regulierend auf die Nervenfunktionen und kann dadurch auf natürliche Weise Stresserscheinungen positiv beeinflussen.